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An(ge)dacht

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Hier finden Sie Andachten und Gedanken zu unterschiedlichen Themen.


 

 


 

 

Zachäus hat „social distance“. Aus zweierlei Gründen. Zum einen: er ist klein, körperlich. Eine Laune der Natur, eine Besonderheit? Vielleicht hat er schon als Kind darunter gelitten, wurde gehänselt oder als nicht gleichwertig von seinen Mitschülern behandelt. Vielleicht haben ihn Erfahrungen in seiner Kinder – und Jugendzeit schon früh auf die Idee gebracht, dass er sich sein Ansehen anders erwerben muss als „normale“ Mitmenschen. Wir wissen es nicht, aber man könnte ja mal annehmen, dass ein kleinwüchsiger Mensch nicht ohne Lästerei und leidvolle Erfahrungen körperlicher Unterlegenheit erwachsen wird. Wenn Zachäus was sehen will, muss er in der ersten Reihe stehen dürfen. Und genau da wird er nicht zugelassen. Weil er reich ist. Reichtum ist nicht per se eine Schande. Normalerweise haben reiche Leute ja mehr Freunde als sie wollen. Notfalls kriegen sie, was sie wollen, weil sie es sich leisten können, dafür zu bezahlen. Doch die Juden haben ihre eigenen Prinzipien. Wer reich wird, weil er mit den Römern kooperiert, wer sein Vermögen durch Verrat an seinem Volk, durch Betrug und überteuerte Preise erworben hat, wird ausgegrenzt. Die Missachtung göttlicher Gebote – z.B. nicht wuchern, seinen Bruder gerecht behandeln – wird sozial geächtet. (Eine konsequente Haltung die ich manchmal unserem deutschen Volk wünschte!)

Ist soziale Ächtung nicht ein legitimes Mittel gegenüber Betrügern, Sündern, Gesetzesübertretern? Werden sonst nicht die sozial Benachteiligten (ungewollt/automatisch/) ausgegrenzt? Wie können wir Stellung beziehen gegenüber Menschen, die sich a-sozial verhalten?

Doch auch der reiche Zachäus hat noch ungestillte Bedürfnisse. Auch sein Geld befriedigt nicht heimliche Wünsche. Nicht alles ist materiell machbar.  Er „begehrte“ Jesus zu sehen. Oder: „er wollte unbedingt“ „er sehnte sich danach, zu sehen wer Jesus war“ Der griechische Urtext lässt verschiedene Übersetzungen zu, aber inhaltlich läuft es immer wieder darauf hinaus: da gibt es etwas, das er noch nicht hat. Etwas, das ihn nicht loslässt, von dem er sich etwas verspricht. Jemanden, den er sehen möchte. Diesen Jesus, diesen Wunderheiler, den Rabbi, von dem alle reden. Was hat er sich von ihm erhofft? Männer sind Augenmenschen behaupten Psychologen. „Mit eigenen Augen“ will Zachäus den Mann kennenlernen – warum wohl? Kann er ihn besser einschätzen, wenn er ihn gesehen hat? Hat er ein Anliegen? Vielleicht sogar ein uneingestandenes, vor sich selbst verheimlichtes Bedürfnis? Oder hält ihn die Scham ab, diesen Jesus zu fragen, ihn einzuladen oder um etwas zu bitten? Was, wenn der sich genauso verhält wie alle seine Mitmenschen? Dass Zachäus sehr wohl weiß, dass sein Handeln nicht gut ist, dass seine Mitmenschen ihn „zu Recht“ meiden, erfahren wir ja später. Das schlafende oder verdrängte Gewissen meldet sich noch. Insofern darf man annehmen, dass Zachäus guten Grund hatte, nicht seinen Reichtum spielen zu lassen, um sich seinen Wunsch zu erfüllen. Wenn er andere in seine Bedürftigkeit einweiht, wenn er sie zur Mithilfe heranzieht – auch gegen gutes Geld- dann muss er damit rechnen, dass die Anderen ihm in letzter Minute eins auswischen. Sich revanchieren für die vielen Ärgernisse, die sie seinetwegen haben. Also kann er sich nur auf sich selbst, auf seinen eigenen Plan, auf seine Fitness – und die Äste eines Baumes- verlassen. Alles andere ist zu riskant. Zachäus geht auf Distanz zu allen. Er klettert auf einen Baum. Das setzt gewisse körperliche Fitness voraus. Das ist kein alter Mann, nein er wirkt eher wie ein Businessman, der sich mit Sport fit hält. Er schafft einen Triathlon: er läuft voraus, er klettert und er hält im Maulbeerbaum Ballance. Er hat nicht vor, Jesus vor die Füsse zu fallen/springen, sobald dieser auftaucht.

Doch damit Zachäus Jesus sehen kann, muss Jesus planbar sein. Er müsste genau diese Straße entlangkommen, an genau dem Baum vorbeigehen, den sich Zachäus vorher ausgesucht hat. „Damit er ihn sehe“ ist im Urtext ein Konjunktiv. Der Oberboss Zachäus hat auch schon gehört, wie unberechenbar dieser Jesus sein kann.  Der weicht von Wegen ab, bringt Zeitpläne durcheinander, übertritt Gesetze und lässt unvorhersehbarem Geschehen Raum. Es bleibt also spannend.

Was hättest du gerne von Jesus? Welches (heimliche?) Bedürfnis gibt es in dir? Wofür würdest du „klettern“?

Wo in deinem Leben „planst“ du Jesus?

„Komm runter!“ Sofort! Der griechische Urtext ist Imperativ. Wir übersetzen zwar gern modal, so nach dem Motto: Hy Zachäus, steig eilends runter, denn ich will heute bei dir einkehren…aber eigentlich sind Jesu Worte ein Befehl. Er schaut hoch und redet den Klettermax vor aller Leute Augen und Ohren an. Nix mit verstecken, nix mit sich heimlich ein Bild machen. Man kann auch übersetzen: denn es ist nötig, dass ich bei dir anhalte. Ich (Jesus) MUSS in dein Haus kommen.  Aber auf den Befehl reagiert Zachäus mit Freude. Die Umstehenden sind ihm egal, er bewirtet Jesus so schnell und gut, wie er nur kann. Dass die Mitlaufenden sich aufregen, ist eh klar. Die Bibel widmet der empörten Menge einen ganzen Vers. Bei so einem Drecksack ist der Rabbi zu Gast. Zu so einem A….asgeier geht er freiwillig. Wer sich mit Gesindel abgibt, gehört doch selber dazu.

Das ist heute nicht viel anders. Wer gibt Obdachlosen mehr als einen Euro? Die versaufen doch eh alles. Wer spendet Bettlern  Geld? Die sollen besser arbeiten gehen, wer Arbeit sucht, findet auch welche. Flüchtlinge? Die verüben hier Straftaten. Nutten? Man kann doch wohl aussteigen aus dem Gewerbe. Und die Ächtung geht weiter. Ob sexuelle Präferenzen, ob Hartz 4 Empfänger, ob Mütter mit Kindern verschiedener Väter… Doch Ausgrenzung macht vor keiner Schicht halt. Das geht per handy, twitter und facebook genauso. Die „richtige“ Kleidung, die „richtige“  Einstellung, die „richtigen“ Werte…ganz zu schweigen vom „richtigen“ Verhalten. Zachäus ist überall – und die Verurteilenden auch. Für manche ist Corona regelrecht befreiend. In einem Gespräch dieser Tage erzählte mir jemand, wie erleichternd es ist, nicht mehr jeden Tag das Getuschel im Büro, den versteckten Spott und die ätzenden Bemerkungen  aushalten zu müssen. Home Office als Entlastung. Muss erst ein Virus kommen, um Menschen zu entspannen?  Jetzt, wo wir plötzlich merken, wie anstrengend es ist, ohne direkte Kontakte, ohne spürbare Berührung und Nähe auskommen zu müssen, ahnen wir vielleicht etwas von dem, was ein „Zachäus“ freiwillig auf sich nimmt. Isolation tut weh. Wie verletzt muss jemand sein, dass er/sie sich Distanz ohne staatliche Verordnung und dauerhaft antut?

Gibt es da etwas, wo ich schuldig geworden bin an anderen? Oder umgekehrt: wo ich mich selbst verkrieche und einen stehenbleibenden, einkehrenden Jesus brauche? Jemanden, der sich weder von meinem Ruf noch von meinem Verhalten, weder von meinem Aussehen noch meiner Sexualität, weder von meinen Eigenarten noch von meiner Gewöhnlichkeit abschrecken lässt?

Nähe heilt. Nähe hilft. Das erlebt Zachäus. Es gibt eine Tischgemeinschaft, es ist von „freudigem Bewirten“ die Rede. Da ist Gelächter, Entspannung, Musik. Augenhöhe. Kein Wort von dem Sch…, den Zachäus so treibt. Keine Ermahnung, kein Apell an das soziale Gewissen, nicht mal eine Bitte Jesu. Es gehört für mich persönlich zu den kostbaren Momenten, wenn dir jemand Beschämung erspart oder gar abnimmt; wenn jemand dir das Annehmen leicht macht oder Augenhöhe herstellt, wo du dich selbst unterlegen fühlst. Und wer das tut, kann es nicht „künstlich“. Entweder du bist von Herzen frei, den Anderen so sein zu lassen oder man spürt das Unechte heraus. Jesus kann von ganzem Herzen Zachäus lieben. Ohne Verurteilung bei ihm sein, mit ihm Gemeinschaft haben. Herzensnähe heilt. Und verändert. Zachäus Herz bleibt nicht unberührt.

V8…und er trat hinzu…Zachäus traut sich, sich Jesus gegenüberzustellen. „Hinzutreten“ bedeutet in biblischer Sprache, sich jemandem respektvoll, aber nicht unterwürfig zu nähern. Es ist ein Vorrecht, eine Ehre, aber auch eine wertschätzende Begegnung.

In dem Zöllner ist eine Veränderung geschehen. Er kann zu seiner Schuld, zu seinem Versagen stehen. Hier geht es nicht um eine Vergebung nach dem Motto „Schwamm drüber“ oder eine Verzeihung ohne genauere Auflistung. Auch solche Begegnungen gibt es in der Bibel. Aber hier muss Gerechtigkeit wiederhergestellt werden, hier ist Wiedergutmachung und Wahr-werden nötig. Zachäus kann sich sein Fehlverhalten eingestehen – im Kontakt mit Jesus. Er tritt vor ihn und sagt: „Ja, ich habe Menschen übervorteilt. Ja, ich habe Menschen betrogen. (Man kann auch übersetzen: ich habe Menschen erpresst oder schikaniert!). Ja, ich bin den Armen etwas schuldig geblieben und mir mehr genommen, als mir zusteht.“

„Heilsame Nähe“ heißt auch, dass Wahrheit ausgesprochen werden kann und damit Menschen Genugtuung erfahren. Ein wichtiger Schritt zu echter Vergebung und Neubeginn. Eine Befreiung für Zachäus – und eine Wiedergutmachung für gekränkte und übervorteilte Nächste.

Wo in meinem Leben könnte es „dran“ sein, eine Wahrheit auszusprechen? Wo brauche ich Kontakt mit der Nähe Jesu, die mir hilft, Verhalten oder Situationen zu bereinigen?

Gibt es einen „Zachäus“ in meinem Leben? Kannst ich dafür beten und darauf warten, dass er/sie in die heilsame Nähe Jesu kommt?

„Heute ist diesem Haus Heil wiederfahren“ fasst Jesus diese Begebenheit zusammen. Hier, im Haus des Zöllners erfüllt sich seine Mission. Hier dürfen die Umstehenden einen Blick auf das Reich Gottes werfen, das bereits angebrochen ist. Zachäus ist ein Sohn Abrahams. Jesus bestätigt Zachäus‘ Zugehörigkeit zum Gottesvolk. Er stellt ihn in die Gemeinschaft, zu der Zachäus ursprünglich gehört und aus der er ausgegrenzt wurde. Wie erfahren nichts darüber, ob ihn die Anderen wieder aufgenommen haben. Vielleicht, weil diese Frage, diese Herausforderung bis heute gilt. Nicht nur Corona schafft social distance.

Distanzierte Herzen, soziale Kälte und Ausgrenzung gegenüber Anderen überwinden geht nur, wenn meinem Haus, meiner Situation, meinen Bedürfnissen „Heilwerden“ geschenkt wird.

Deswegen: darf dich Jesus von deinem Maulbeerbaum runterholen? Darf er dich besuchen? Mit dir Gemeinschaft haben? Oder bleibst du lieber auf Distanz? Bist du bereit, seine Nähe zuzulassen? Seine Mission ist, dass du dazugehörst. AMEN.

In Gottes (Zeit-) Plan leben

69396db76dddd782930462e57e454dc9.jpgIch finde es auffällig, wie oft im Hinblick auf das Leiden und Sterben Jesu von „Gottes Zeitplan“ die Rede ist. Wie sehr insbesondere im Johannesevangelium betont wird, dass Gott die Regie führte und es das unbedingte Anliegen Jesu war, im Willen seines himmlischen Vaters zu leben.

 

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Römer 8,31 - Monatsspruch März 2015

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In unserem Leben, unserem Alltag, gibt es immer Jemanden, der größer ist als wir. Als Kind zu Hause die Eltern, im Kindergarten die Erzieherin, in der Schule der Lehrer, in der Uni der Professor und auf der Arbeit der Chef. Unsere Gesellschaft funktioniert gleichfalls so, dass nicht alle über alles entscheiden, sondern wichtige ...

 

 

Die Steppe soll sich freuen, das dürre Land glücklich sein, die Wüste jubeln und blühen!
Jesaja 53,1 - Monatsspruch Dezember 2014

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und weiter Heist es im Text:

2 Mit Blumen soll sie sich bedecken, jauchzen und vor Freude schreien! Herrlich wie der Libanon soll sie werden, prächtig wie der Berg Karmel und wie die Ebene Scharon. Dann sieht das Volk die Herrlichkeit des Herrn, die Pracht und Hoheit unseres Gottes. 3 Macht die erschlafften Hände wieder stark, die zitternden Knie ...